
Vorschau 2026/27
Motto & Produktionen
Hier finden Sie die Vorschau auf unsere neue Spielzeit unter dem Titel WageMut!
Wagemut
Motto 2026/27
»Die Zeit ist aus den Fugen« – ein geflügelter Satz, mit dem Shakespeares dänischer Prinz Hamlet seit nunmehr über 400 Jahren in verschiedensten Inszenierungen eine immer wieder neue Gegenwart reflektiert. Ein Satz, der auch in unserem Hier und Jetzt erschreckend aktuell klingt.
Es sind herausfordernde, teilweise überfordernde Zeiten, in denen wir leben. Unsere Welt wird lauter, unvorhersehbarer und fragiler. Angesichts ökonomischer Unsicherheiten, ökologischer Krisen, politischer Polarisierungen, globaler Kriegsherde und technologischer Beschleunigung verwundert es nicht, dass man sich zeitweise ohnmächtig fühlt und den Mut verliert. Und das umso mehr, wenn man aus der Ferne Menschen bewundert, die in Staaten, in denen »etwas faul ist«, um im Hamlet-Bild zu bleiben, ihr Leben riskieren, wenn sie für ihre Rechte und Freiheiten auf die Straße gehen.
Apropos Mut: Erinnern Sie sich an Momente Ihres Lebens, in denen WageMut Ihnen Flügel verliehen hat? Wenn Sie zum Beispiel als Kind von einem vermeintlich viel zu hohen Klettergerüst gesprungen sind? Oder die Wasserrutsche im Freibad an Fahrt aufgenommen hat und Sie vor lauter Kurven nicht abschätzen konnten, wann die Rutschpartie enden sollte – erinnern Sie sich an das Adrenalin und den Stolz, den Sie beim Auftauchen aus dem Wasser verspürt haben, und das Gefühl, dass es sich gelohnt hat, allen Mut zusammenzunehmen? Je älter wir werden, umso mehr verlieren wir das Gefühl, wagemutig und furchtlos sein zu dürfen, sein zu wollen und andere dadurch mitzureißen – einfach so.
Wir wollen für Sie ein Ort sein, an dem Sie den Zauber von WageMut wieder erleben können. Theater bietet dafür genau den richtigen Raum. Nicht als Ort einer moralischen Instanz, sondern als Resonanzraum für uns alle, in dem spielerisch und spartendurchlässig Geschichten auf Körper, Gedanken auf Gefühle treffen und Gesellschaft auf sich selbst trifft. Wir proben das, was draußen riskant erscheint: einen spielerischen Perspektivwechsel, das Innehalten, um die Kunst der Schauspieler*innen, Tänzer*innen, Sänger*innen und Orchestermusiker*innen auf sich wirken zu lassen. Stets verbunden mit der Einladung, sich in einem Theater- oder Konzerterlebnis völlig zu verlieren oder auch es schlicht uninteressant finden zu dürfen. Ja, natürlich kann auch Letzteres vorkommen. Denn wer sich ins grelle Scheinwerferlicht begibt und sich den Blicken des Publikums aussetzt, wagt zu scheitern, muss den Mut aufbringen, sich verletzbar zu machen, um gerade dadurch andere zu berühren und mitzureißen.
Für uns bedeutet Theatermachen genau das: sich immer wieder wagemutig auszusetzen, sich selbst und die eigene Relevanz zu hinterfragen, Kritik zu ertragen, sie anzunehmen und daraus Neues entstehen zu lassen – Gedanken, Gefühle und die Magie des Augenblicks, die Theater und Konzerthäuser zu besonderen Orten werden lassen. Theatermachen bedeutet aber auch, groß träumen zu dürfen – davon, was wir gemeinsam erschaffen können, auf der Bühne wie im »wahren Leben«. Denn auch im Alltag brauchen wir Mut: Mut zur Empathie, Mut zur Hoffnung, Mut zur Liebe, Mut zum Leben selbst.
Spielerisch wollen wir gemeinsam mit Ihnen diesen Mut entdecken, ihn wagen. Denn so wie Mutigsein eine Übung im Menschsein ist, so ist es auch das Spiel. Oder, um es mit Schillers Worten zu sagen: »Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.« Mut und Spiel bedingen einander, denn das gemeinsame Ins-Spiel-Kommen erfordert Mut. Es erfordert den Mut des Einzelnen, überhaupt damit anzufangen, Erste*r zu sein. Es erfordert Mut, sich anstecken zu lassen, sich nicht in der Passivität zu verstecken, seine Stimme klar erklingen zu lassen. Und letztlich braucht es auch den WageMut, wiederum andere zu ermutigen. Denn Mut ist vor allem eins: ansteckend und aufregend.
Mut zu wagen hat oft den Beiklang des Verwegenen, des Außergewöhnlichen. Dabei ist es eine zutiefst menschliche und gemeinschaftsfördernde Erfahrung, die wir mit Ihnen teilen wollen. Denn WageMut ist für uns keine (Pl-)Attitüde, sondern gelebte Praxis. Wir stellen uns der Komplexität unserer Gegenwart, ohne sie zu vereinfachen, wir begreifen Verletzlichkeit nicht als Schwäche, sondern als Voraussetzung für Begegnung – auf der Bühne, im Zuschauerraum und im täglichen Miteinander.
Die Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld sind ein Betrieb, in dem Menschen aus über 35 Nationen zusammenarbeiten. Was uns eint, ist neben der Leidenschaft für Musik, Tanz und Theater der Wille, füreinander einzustehen, einander zu vertrauen und die Überzeugung, dass Diversität und Pluralität ein fester Bestandteil unseres Lebens und unserer Kunst sind. Wir sind ein Ort, an dem miteinander gesprochen, gedacht, geprobt, getanzt, gesungen, gespielt, geschweißt, gesägt, gemalt, genäht, geplant, gerechnet und geträumt wird, damit sich für Sie, unser Publikum, Abend für Abend der Vorhang hebt. Ein Ort, an dem Sie sich von uns, von der Kunst und der Freude am Spiel anstecken lassen:
Im Tanz von Ella Rothschild, die sich als neue künstlerische Leitung dem Bielefelder Publikum vorstellen wird und es wagt, ein neues Kapitel TANZ Bielefeld aufzuschlagen. Oder im Schauspiel, wo Sie Die Legende von Sleepy Hollow erkunden, das zauberhafte letzte Einhorn bestaunen, Sommergäste empfangen, dem Ruf der Wildnis lauschen, Federn überall entdecken oder in WO*MEN der Geschichte der Bielefelder Frauenbewegung auf den Grund gehen. In der Oper beweisen Tamino und Papageno mit Hilfe der Zauberflöte den Mut, zu sich selbst zu stehen. Der rote Wal fragt mutig, wie weit man gehen kann, um für seine Überzeugung zu kämpfen, und in Die Tiefe des Raumes, einem Fußballoratorium, wird alles gewagt, um das Runde ins Eckige zu bringen. Und trauen Sie sich doch einfach zu glauben, was Der kleine Prinz schon weiß: »Man sieht nur mit dem Herzen gut.«
Wir laden Sie, liebes Publikum, ein, es uns in der Spielzeit 2026/27 gleichzutun. Seien Sie wagemutig! Lassen Sie sich wieder auf die kurvige Wasserrutsche ein, erklimmen Sie das Klettergerüst, gehen Sie das Wagnis ein, zu scheitern und vor allem: Wagen Sie den Mut, andere anzustecken. Die Zeit mag vielleicht aus den Fugen geraten sein – aber das bedeutet nicht, dass wir sie nicht gemeinsam neu ordnen können.
Gesang
The Birds of Alfred Hitchcock
William Ward Murta
20.09.26, Stadttheater
Die Zauberflöte
Wolfgang Amadeus Mozart
10.10.26, Stadttheater
Ein Sommernachtstraum
Benjamin Britten
05.12.26, Stadttheater
Der rote Wal
Vivan und Ketan Bhatti
06.03.27, Stadttheater
Tosca
Giacomo Puccini
01.05.27, Stadttheater
Spartenübergreifende Produktion
Krabat
Eine Volkssage
21.05.27, Stadttheater
Lichtspieloper
Die Tiefe des Raumes. Ein Fußballoratorium
Moritz Eggert
22.05.27, Rudolf-Oetker-Halle
Der kleine Prinz
Pierangelo Valtinoni
11.06.27, Stadttheater
Wiederaufnahmen
Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat
Elisabeth Naske
Herbst 2027, Rudolf-Oetker-Halle, Foyer
Der Troubadour
Giuseppe Verdi
31.10.26, Stadttheater
Die Fledermaus
Johann Strauss
17.01.27, Stadttheater
Tanz
Summer Snow
Ella Rothschild
24.10.26, Stadttheater
Mamootot
Ohad Naharin
22.01.27, TOR 6 Theaterhaus
Tanzgastspiel
13.02.27, Stadttheater
Uraufführung
Milk Teeth
Ella Rothschild
10.04.27, Stadttheater
Flood
Ella Rothschild / Nivi Alroy
Frühling/Sommer 2027, Stadtraum
Spiel
Hamlet
William Shakespeare
12.09.26, Stadttheater
Die Legende von Sleepy Hollow
Philipp Löhle nach Washington Irving
18.09.26, Theater am Alten Markt
Madonnen
Amanda Lasker-Berlin
26.09.26, TAMZWEI
Geheimnisse
Sébastien Blanc
13.11.26, Theater am Alten Markt
Familienstück zur Weihnachtszeit
Das letzte Einhorn
Peter S. Beagle
14.11.26, Stadttheater
Der Ruf der Wildnis
Jack London
28.11.26, Theater am Alten Markt
Nora oder Ein Puppenheim
Henrik Ibsen
23.01.27, Theater am Alten Markt
Sommergäste
Kristof Magnusson / Gunnar Klack nach Maxim Gorki
30.01.27, Stadttheater
Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
Fiona Sironic
31.01.27, TAMDREI
Und Federn überall
Nava Ebrahimi
19.03.27, Theater am Alten Markt
Komödie mit Banküberfall
Henry Lewis / Jonathan Sayer / Henry Shields
20.03.27, Stadttheater
Uraufführung
Jüdische Biografien aus Bielefeld (Arbeitstitel)
Recherchearbeit
25.03.27, TAMZWEI
Uraufführung
WO*MEN (Arbeitstitel)
Anne Jelena Schulte
14.05.27, Theater am Alten Markt
Spartenübergreifende Produktion
Krabat
Eine Volkssage
21.05.27, Stadttheater
Die Brücke von Mostar
Igor Memic
22.05.27, TAMDREI
Wiederaufnahmen
Baga Beach
Rebekka Kricheldorf
24.09.26, Theater am Alten Markt
State of the Union
Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst
Nick Hornby
20.10.26, Theater am Alten Markt
Mach mit!
Schrittmacher – Utopia
Community-Dance-Projekt mit dem TANZ-Jugendclub
29.01.27, TOR 6 Theaterhaus
Schrittmacher – Beinah heldenhaft
Community-Dance-Projekt
19.03.27, TOR 6 Theaterhaus
Schrittmacher – Winter Sun
Community-Dance-Projekt
19.06.27, Stadttheater
Jugendclub
13.02.27, TAMZWEI/DREI
Teenclub
Frühjahr 2027, TAMZWEI/DREI
Jugendclub-Selbstauslöser
04.06.27, TAMZWEI/DREI
Parallele Welten IX
Szenische Lesung:
20.06.27, TAMZWEI/DREI
PLAY! – Festival junges Theater
Juni/Juli 2027, Theater am Alten Markt